Bereich
Datenschutz an Schulen
Eine Schule ist datenschutzrechtliche Verantwortliche. Sie verarbeitet in der Regel besondere Kategorien von Daten, etwa Gesundheitsinformationen über Schüler:innen. Darüber hinaus tangiert die Digitalisierung des Unterrichts diverse datenschutzrechtliche Fragen. In der Regel wird die Aufgabe des Datenschutzbeauftragten schulintern durch eine Lehrkraft übernommen, die sich Expertise eigenverantwortlich aneignen muss. In Niedersachsen hat die Aufsicht in der Vergangenheit anlasslose Prüfungen an Schulen durchgeführt. Ob hier Bußgelder drohen, richtet sich danach, ob die Schule öffentlich oder in freier Trägerschaft ist.
Voller DSGVO-Pflichtenkatalog ohne Entlastung der Lehrkräfte
Ob eine Schule ihre datenschutzrechtlichen Pflichten erfüllen kann, ist meist keine Frage des Wissens, sondern der verfügbaren Zeit.
Eine Schule führt Schülerakten über Jahre, verarbeitet Gesundheitsdaten Minderjähriger und lässt den Unterricht über Plattformen laufen. Damit gelten für sie dieselben Pflichten wie für ein Unternehmen mit demselben Datenbestand. Eine öffentliche Schule benennt nach Art. 37 Abs. 1 Buchst. a DSGVO ausnahmslos eine Datenschutzbeauftragte oder einen Datenschutzbeauftragten. Für eine Schule in freier Trägerschaft greift § 38 Abs. 1 BDSG ab zwanzig Personen, die ständig mit automatisierter Verarbeitung befasst sind.
Zwar kennen die Schulen ihre Pflicht, einen Datenschutzbeauftragten oder eine Datenschutzbeauftragte zu bestellen, aber die Lehrkräfte fühlen sich fachlich und zeitlich überfordert. Der Versuch einer Schule, diese Aufgabe mit einer neuen Planstelle zu koppeln, wurde vom RLSB unterbunden.
Mit der Benennung allein ist es nicht getan. Art. 38 Abs. 2 DSGVO verlangt die Bereitstellung der Ressourcen, die zur Erfüllung der Aufgaben notwendig sind. Wo es daran fehlt, bleibt die Benennung ein formaler Akt ohne praktische Wirkung.
Die Aufsicht wartet nicht auf einen Anlass
Wann eine Schule mit einer Prüfung zu rechnen hat, hängt nicht davon ab, ob sich jemand beschwert hat. Art. 58 Abs. 1 Buchst. b DSGVO gestattet der Aufsichtsbehörde Untersuchungen in Form von Datenschutzüberprüfungen, ohne dass ein Vorfall vorausgesetzt wäre.
2022 hat die Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachsen fünfzig zufällig ausgewählte Schulen angeschrieben. 2023 kamen vier Prüfungen vor Ort hinzu.
Die Behörde hat angekündigt, den Einsatz intelligenter Tutorensysteme gesondert zu prüfen. Wer heute eine Lernplattform um ein Diagnosewerkzeug ergänzt, sollte die Unterlagen dafür bereithalten.
Was ein Verstoß kostet, hängt an der Trägerschaft
Ob am Ende ein Bußgeld steht, entscheidet sich nicht an der Schwere des Verstoßes, sondern zuerst daran, wer die Schule betreibt.
Dieselbe Pflichtenlage, zwei verschiedene Folgen
| Öffentliche Schule | Merkmal | Schule in freier Trägerschaft |
|---|---|---|
| Praktisch ausgeschlossenNach § 20 Abs. 5 NDSG steht die Befugnis der Aufsichtsbehörde gegenüber öffentlichen Stellen nur zu, soweit diese als Unternehmen am Wettbewerb teilnehmen. Grundlage ist die Öffnungsklausel des Art. 83 Abs. 7 DSGVO. | Geldbuße | In voller HöheAls nichtöffentliche Stelle gilt Art. 83 Abs. 4 und 5 DSGVO ungekürzt, also bis zu 10 oder 20 Millionen Euro. |
| In vollem UmfangArt. 83 Abs. 7 DSGVO lässt die Abhilfebefugnisse nach Art. 58 Abs. 2 DSGVO ausdrücklich unberührt. Dazu gehören das Verbot einer Verarbeitung sowie die Anweisung, Verarbeitungsvorgänge in Einklang zu bringen. | Anordnungen der Aufsicht | In vollem UmfangAlle Abhilfebefugnisse gem. Art. 58 Abs. 2 DSGVO. |
| § 31 NSchGDie Vorschrift benennt die zulässigen Zwecke, die Übermittlungswege und in Absatz 10 einen abschließenden Katalog für besondere Kategorien. | Rechtsgrundlage der Verarbeitung | Art. 6 und Art. 9 DSGVO§ 141 Abs. 1 NSchG zählt auf, welche Vorschriften des Schulgesetzes für Ersatzschulen entsprechend gelten. § 31 NSchG steht nicht darunter. |
| Über die LandesämterDie Regionalen Landesämter für Schule und Bildung stellen Vorlagen bereit und beraten. Die Aufsicht empfiehlt ausdrücklich, diese Vorlagen zu verwenden. | Fertige Muster und Ansprechstelle | Keine vergleichbare StelleDer freie Träger steht außerhalb dieser Struktur und beschafft sich die Unterlagen selbst. |
Eine Schule in freier Trägerschaft trägt damit das volle Bußgeldrisiko; die Unterlagen für öffentliche Schulen bilden die Besonderheiten der Schulen freier Trägerschaft nicht ab.
Für die öffentliche Schule folgt daraus keine Entwarnung. Eine Untersagung nach Art. 58 Abs. 2 Buchst. f DSGVO trifft eine Lernplattform mitten im Schuljahr genauso wie jedes andere Verfahren.
Die Fragen, die an einer Schule tatsächlich auftauchen
Welche der eigenen Verarbeitungen die riskante ist, lässt sich von innen schwer beurteilen. Bearbeitet wird meistens die, die gerade drängt.
Drei Verarbeitungen verdienen im Schulbereich besondere Aufmerksamkeit. Für Lernplattformen verlangt § 31 Abs. 5 NSchG neben der datenschutzrechtlichen Zulässigkeit die Zustimmung der Schulleitung. Die Verarbeitung von Schülerdaten durch einen zentralen Auftragsverarbeiter wird von der Aufsicht als eigener folgenabschätzungspflichtiger Vorgang behandelt. Gesundheitsdaten dürfen nach § 31 Abs. 10 NSchG nur für die dort abschließend genannten Zwecke verarbeitet werden. Zugleich begrenzt § 31 Abs. 7 NSchG die Datenübermittlung bei einem Schulwechsel auf die Kerndaten. In der Praxis fand die Aufsicht jedoch Schülerakten vor, die weit darüber hinausgingen und vollständige Grundschulakten einschließlich der Schuleingangsuntersuchungen enthielten.
So unterstützen wir Sie an Ihrer Schule
Die passende Lösung richtet sich nach dem tatsächlichen Bedarf. Ist Zeit der Engpass, übernehmen wir die Aufgaben der oder des Datenschutzbeauftragten von außen. Fehlt die Übersicht, schaffen wir sie durch ein Audit mit schriftlichem Ergebnis und einer Priorisierung der Handlungsfelder. Steht lediglich eine konkrete Entscheidung an, etwa vor der Einführung einer Lernplattform, genügt oft eine gezielte datenschutzrechtliche Bewertung im laufenden Betrieb.
Häufige Fragen
Muss jede Schule eine Datenschutzbeauftragte oder einen Datenschutzbeauftragten benennen?
Eine öffentliche Schule ja, ausnahmslos. Art. 37 Abs. 1 Buchst. a DSGVO knüpft allein daran an, dass die Verarbeitung von einer öffentlichen Stelle durchgeführt wird. Für eine Schule in freier Trägerschaft greift § 38 Abs. 1 BDSG, sobald in der Regel mindestens zwanzig Personen ständig mit automatisierter Verarbeitung befasst sind. Das dürfte auf jedes Kollegium zutreffen, das mit einer Lernplattform arbeitet.
Genügt es, eine Lehrkraft zu benennen?
Die Benennung genügt für die Pflicht aus Art. 37 DSGVO. Sie genügt nicht für Art. 38 Abs. 2 DSGVO, der die für die Aufgaben erforderlichen Ressourcen verlangt. Ohne Entlastungsstunden bleibt die Aufgabe liegen. Die Nachweise schuldet die Schule trotzdem. Eine externe Benennung ist nach Art. 37 Abs. 6 DSGVO ausdrücklich zulässig.
Sind wir als kleine Schule vom Verarbeitungsverzeichnis befreit?
Nach aller Voraussicht nicht. Die Ausnahme des Art. 30 Abs. 5 DSGVO entfällt bereits, wenn die Verarbeitung nicht nur gelegentlich erfolgt oder besondere Kategorien nach Art. 9 Abs. 1 DSGVO betrifft. Beides dürfte an jeder Schule zutreffen. Die Aufsicht hat genau diesen Irrtum bei ihrer Prüfung angetroffen.
Wir sind eine Schule in freier Trägerschaft. Können wir die Muster des Landes verwenden?
Nur nach Prüfung. Die Muster der Regionalen Landesämter stützen die Verarbeitung auf § 31 NSchG. § 141 Abs. 1 NSchG erstreckt diese Vorschrift nicht auf Ersatzschulen, sodass die angegebene Rechtsgrundlage dort nicht zutreffen dürfte. Aufbau und Gliederung bleiben brauchbar, die Rechtsgrundlagen sind zu ersetzen.
Weitere Fragen aus diesem Bereich
Kontaktieren Sie uns!
Wir haben Ihr Interesse geweckt? Sie haben Fragen? Sie möchten ein unverbindliches Angebot? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!
Kontakt aufnehmenAlternativ können Sie um einen Rückruf bitten.